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im garten des verweilens

vorschlag für ein ritual
für sopran, viola & schlagwerk mit 5 terracottagefäßen

Bestzung:
sopran, viola & schlagwerk (vibraphon,4 tempelblocks, 4 tomtoms, zimbelpaar)
mit 5 terracottagefäßen in G, B, C, Es, F

Texte von
Bashô, Simon Dach, Gabriele D’Annunzio, Friedrich Hölderlin, Else Lasker-Schüler, Rainer Maria Rilke

UA und weitere Konzerte
im Rahmen des Projektes RITUALE

Ausführende: Ensemble RENIBRE

Lissa Meybohm – Stimme,
Cenk Erbiner – Viola und Electronics,
Ivo Nitschke – Vibrafon und Schlagwerke

Werke von Beste Özcelebi, Friedemann Stolte, Caspar René Hirschfeld, Thomas Buchholz und Knut Müller
Kooperation des Sächsischen Musikbunds e.V. mit International Academy of Media & Arts e.V.

Mo, 15. April 2024
um 18:30 Uhr
Bernburg, Museumshalle, Schloßstr. 11

16. April 2024
um 19 Uhr
Wettin-Löbejün, St. Nikolai, Könnernsche Str. 4

(Die Konzerte am 15. und 16. April finden im Rahmen des KlangART Vision Festivals statt.)

Mi, 17. April 2024
um 18 Uhr
Chemnitz, Museum Gunzenhauser, Falkeplatz

Do, 18. April 2024
um 19:30 Uhr,
Leipzig Musikschule Neue Musik Leipzig, Eisenacher Str. 72

Fr, 19. April 2024
um 20:00 Uhr
Dresden, KulturKirche Weinberg Trachenberge, Albert-Hensel-Str. 3

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Was ist eigentlich ein Ritual? Diese Frage begleitet mich in der Arbeit an diesem Stück, und ich frage bewußt vom heutigen, modernen Menschen aus.

So wie ein Ritual dem Menschen mit seiner individuellen Zeit ein Zuhause in der ‚großen‘ Zeit der Welt gibt, so macht auch Musik die Zeit in verschiedener Weise fühlbar – das ist der Ausgangspunkt dieser Komposition.

„Rituale lassen sich als symbolische Techniken der Einhausung definieren. Sie verwandeln das In-der-Welt-Sein in ein Zu-Hause-Sein. … Sie machen die Zeit bewohnbar“, sagt der Philosoph Byun-Chul Han.
(Han, B.-C.: Vom Verschwinden der Rituale. Berlin 2019)

»Verweilen« verweist auf verschiedene Zeitstrukturen, deren Gestaltung sich zwischen Verfügbar- und Unverfügbarkeit entfalten, zwischen Entfremdung oder Resonanz als verschiedenen Beziehungsformen zur Welt, wie sie Hartmut Rosa in seiner Idee der Resonanz beschreibt.

„Verweilen“ ist eine Einladung zu einer Beziehungsform jenseits des Verfügbarmachens: Zuhören, aufhören, abhören, hinhören, vielleicht eine Antwort fühlen: zusammen mit den Gedichten werden die ‚Blumentöpfe‘ zu Gefäßen der Zeit.

„In Gedichten spielt die Sprache. … Das poetische Prinzip gibt der Sprache den Genuss zurück, indem es radikal mit der Ökonomie der Sinnproduktion bricht“
(B.-C. Han: Vom Verschwinden der Rituale. Berlin 2019) –

genauso spielt die Musik mit dem Klang der Dinge ohne ihren Verwendungszweck.

Die Musik der Gefäße hat keine feste Reihenfolge und wird gerahmt von einem Stück in sechs Teilen (Rilke). So entsteht ein Garten der Zeit.

Wir sind die Treibenden (Rainer Maria Rilke)

I – Wir sind die Treibenden
verweilen – warten – fortfahren

II – Alles das Eilende
wie wellen schlagen und weiter schwingen lassen

III – denn das Verweilende
unterbrechen, um zu verweilen

IV – o werft den Mut
werfen & warten

V – … nicht in die Schnelligkeit
ein spiel: synchron – desynchron

VI – Blume und Buch
contemplativ. in eigener zeit.

dazwischen:
Fünf klingende Gartengefäße in G – B – C – Es – F

»B« & Bashô: Der letzte Schnee

»F« & Friedrich Hölderlin: Wir nannten die Erde

»G« & Simon Dach: … dies Lied herfür

»Es« & Else Lasker-Schüler: … es bleiben alle Sterne stehn

»C« & Gabriele D’Annunzio: Schweige.

„Die Zeit des Gartens ist die Zeit des Anderen. Der Garten hat seine Eigenzeit, über die ich nicht verfügen kann. … Im Garten kreuzen sich viele Eigenzeiten.“
(B.-C. Han, Lob der Erde. Berlin 2018)